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Sisamben - Einblicke- Willehadi

Willehadi

Neunzehnhundertvierundsechzig
Ich war drei und klein und schmächtig
Da kam es, dass mit Mann und Maus
Die Feldkamps zogen in ein Haus
So schräg zu einer Großbaustelle
Grad gegenüber wo die Kelle
Der Bauarbeiter schnelle ging
'Ne Kirche man zu bau'n anfing

Bis man mit Ehr' und Segen dann
Das schöne Werk grad nebenan
Mit Gottes Wort und Orgelspiel
Mit Chorgesang und Anteil viel
In Dienst gestellt - verging noch Zeit
Man feierte noch Ewigkeit
Bis dato in Containerzimmer
Harmonium und Baudreck immer
Doch dann, dann war es mal soweit
Es kam die ganz, ganz schöne Zeit
Mit Willehadi, der Gemeinde
Es gab viel Freude (wohl auch Feinde)
Und Aufbruch und Betriebsamkeit
In dieser fein erwecklich' Zeit
Allein ich musste sonntags dort
Als kleiner Jung' in einem fort
Grad an des Fusses Orgelbank
Mit Spielzeugauto stundenlang
Herumspiel'n und das hatte Grund
Dass meine Mama damals kund
Der Orgelpfeifenspielerei
Und Chorgesanges wissend sei
Da habe ich so manche Zeit
Mich auch schon mal gelangeweilt
Doch eines - ich erinn're mich
Fand ich neben all dem eindrücklich
Wie gegenüber der Pastor
Im Altarraum dem Volk aufs Ohr
Gepredigt unter jenem Herrn
Der hing aus Bronze, sah ihn gern
Ein sonderbar anmutig Ding
Wie es vom Kruzifix ausging
Man nennt's Tremendum, war das eine
Und Fascinosum, keins alleine

Beides hab ich wahrgenommen
Und ist mir in den Sinn gekommen
Als ich dies bronzen Kruzifix
Gesehen hab und drumrum nix
Verrußt, verkohlt mit Schaum die Krone
So - unsern Herrn, des Vaters Sohne
Das hat mir doch schon wehgetan
Das Leute in ihr'm Irrsinnswahn

Grad sowas tun ...

Da hängt er nun in Brandruine
Verzerrt, die ruß'ge Schmerzensmine
Allein - er hängt noch immer dort
An jenem gottesdienstlich Ort
Sagt mir damit im Flammenraub
Es bleibt, was herzlich an mich glaubt





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